JANA PÄTZOLD VOM MOIJ HAMBURG

JANA PÄTZOLD VOM MOIJ HAMBURG

Vor vier Wochen etwa tauchte ein neuer Friseursalon auf meinem Radar auf: MOIJ. Der Grund für die Entdeckung war zwar in einem völlig anderen Zusammenhang und es ging nicht um schneiden, legen föhnen. Sondern um Klamotten. Es fand dort nämlich ein Flohmarkt statt, gespickt mit exquisiten Designraritäten aus dem ein oder anderen Stylistenfundus. Ein Flohmarkt im Friseursalon könnte im ersten Moment für Verwirrungen sorgen. Doch für die Crew des MOIJ’s steht genau dieses offene Konzept für die ganz eigene Charakteristik des etwas anderen Friseursalons.
Da mir der Flair und das Design des Ladens unfassbar gut gefielen, fackelte ich nicht lang und ließ mir einen Termin für meine Haare geben: Ende offen. Ein gutes Zeichen war natürlich, dass alle Friseure die dort arbeiten super Haarschnitte und -farben auf ihren eigenen Köpfen präsentierten.   
An einem Dienstag war es dann für mich soweit. Bei leckerem Kaffee und langen Einwirkzeiten wurden meine Haare von einem mega professionellem Team bestehend aus Schnitt- und Coloristenkünstlern versorgt. Und das in einer angenehm stylisch zurückhaltenden Atmosphäre.
Ins Leben gerufen hat diesen Ort die Berlinerin Jana Pätzold. Wunderbar hanseatisch gelegen an der Alster. Wunderbar unhamburgisch keinem Stadtteil zuzuordnen. Man befindet sich wie auf einer kleinen Insel - im Off - und lässt dabei die Stadtteil-Stereotypen hinter sich. Herrlich neu. Herrlich anders. So wie das MOIJ eben. Bei meinem Termin habe ich Jana einige Fragen zu ihrem eigenen Laden und über ihren persönlichen Werdegang als Friseurin stellen können. Und hier kommen ihre spannenden Antworten.

Jana Pätzold (rechts) mit ihrer Kollegin und Coloristin Shadi Shoaei

Jana Pätzold (rechts) mit ihrer Kollegin und Coloristin Shadi Shoaei

Jana, es hat mir große Freude gemacht, dich kennen zu lernen und deinen Laden zu entdecken. Wann und woher kam die Idee zu einem eigenen Laden?
Die Idee hatte ich schon sehr lang im Kopf, aber mir fehlten die richtigen Menschen dazu. Durch meine langjährige Trainertätigkeit in verschiedensten Salons quer durch Deutschland konnte ich viele Eindrücke erhalten und verschiedenste Konzepte kennen lernen. 2012 gab es bestimmte Ereignisse welche mich beflügelten die Idee in die Tat umzusetzen.

Was war dein Konzept und wie bist du deine Selbstständigkeit angegangen?
Für mich war es wichtig einen Ort zu erschaffen in dem Kreativität, Qualität und Nachhaltigkeit zusammen kommen – einen Ort in dem sich Mitarbeiter und auch Kunden wohlfühlen und Spaß miteinander haben.
Untypisch hanseatisch halt. Von Anfang an stand das Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle. Beim Bau des Salons haben wir darauf geachtet, dass wir nur mit regionalen Firmen und Handwerkern zusammenarbeiten. Auch bei den Materialien haben wir darauf geachtet, dass wir keinen Import aus weiten Ländern haben. Die Nachhaltigkeit findet sich in unseren Produkten als auch in den Getränken, die wir anbieten wieder.
Ein weiteres wichtiges Kriterium war der Standort. Wir haben bewusst  diesen Standort ausgesucht – frei von klassischer Laufkundschaft und Stadtteilklischees  - damit uns die Kunden gezieltauswählen. Die meisten Kunden haben sich im Vorfeld schon bewusst über unsere Kanäle über uns informiert und finden so ihren Weg zu uns. Man sagt ja nicht umsonst: Jeder bekommt die Kunden die er verdient ;-) Dies ist für beide Seiten eine Win-Win Situation.

Was hat es denn mit dem Namen MOIJ auf sich und wie bist du auf ihn gekommen?
Wir haben das Wort 'schön' auf allen Sprachen dieser Erde gegoogelt und MOIJ heisst schön auf plattdeutsch. Die Ähnlichkeit zu Moin hat uns extrem gefallen und deshalb haben wir uns dafür entschieden ;-)

Gibt es für dich schon weitere Pläne? Oder bist du gerade zufrieden mit dem Laden und lässt dich erstmal treiben?
Nach knapp drei Jahren bin ich mit der Entwicklung des Salons sehr zufrieden. Wir haben die coolsten Kunden in Hamburg und arbeiten als Team fantastisch Hand in Hand. In der Vergangenheit haben wir verschiedenste Konstellationen wie z.B. Guestspot mit Chris Weber aus Vancouver, eine Maniküre / Pediküre Kooperation, eine Zusammenarbeit mit der Designerin Sibilla Pavenstedt aber auch verschiedenste Events wie den Hot Shit Fleamarket und auch Bloggerkooperationen ausprobiert. Hier möchten wir gern weiterkommen. Die Idee war von Anfang an Pop up Konzepte zu intergieren. Also liebe Künstler, Designer, Parfümeure dieser Erde: Wir warten auf Euch und Eure Ideen!

Wie verlief dein bisheriger Werdegang als Friseurin? Wer ist dein Vorbild in Deinem Berufsfeld? Und was konntest Du von ihm/ihr lernen?
Ich habe in einem kleinen Salon in Ost-Berlin meine Lehre angefangen und dort auch länger gearbeitet. Später wechselte ich zu Toni & Guy in Berlin wo ich durch Anthony Mascolo’s Arbeiten stark geprägt wurde. Nach 7 Jahren, wechselte ich dann zu Schwarzkopf Professional. Dort wurde ich verschiedensten Projekten eingebunden und konnte in vielen Ländern arbeiten - sowohl kreativ als auch operativ. Hier konnte ich durch die vielen Eindrücke die meisten Inspirationen für meinen Beruf gewinnen. Besonders die sehr enge Zusammenarbeit mit Tyler Johnston hat mich stark geprägt und beeinflusst. Was ich wahnsinnig an ihm schätze ist seine Disziplin & Genauigkeit. Und er ist der wahnsinnigste Pony Schneider auf dem Planeten.

Du selbst schreckst nicht vor Look-Veränderungen zurück und hast schon viel ausprobiert.
Durch die langjährige Arbeit an Modellen für Shows, Kollektionen und Seminaren gewinnt man eine starke Sicherheit im Umgang mit Veränderung und verliert dadurch die Angst diese umzusetzen.
Gemäß dem Motto: Wenn Du weißt was Du tust, kannst Du machen was Du willst.

Was ist für dich der wichtigste Trend der Saison?
So einen ganz eindeutigen Trend kann man schon in den letzten Jahren nicht mehr festlegen. Was wir beobachten ist der Mut zur Farbveränderung aber weniger zur Haarschnittveränderung. Wir haben festgestellt, dass Blogger und Social Media einen zunehmend großen Einfluss auf die Kundenwünsche haben. Die Kunden fühlen sich dadurch animiert auch öfters mal einen Change zu wagen. Vor einigen Jahren noch, waren die größten Inspirationen Musiker und Celebrities. Stärkstes Thema im Moment ist: Long Bob, Farbverläufe, Pastelhair, undone Hair.

Welche Produkte verkaufst du? Und warum hast du dich für diese entschieden?
Mit den Produkten habe ich mich schon lange vor dem Salonkonzept auseinander gesetzt und diese für zwei Jahre zu Hause getestet. Wir haben uns in der Haarfarbe für Schwarzkopf Professional entschieden, da die Qualität und Sicherheit die diese Produkte bieten, fast unschlagbar ist.
In der Care Range haben wir uns für Davines entschieden – ein kleines Familienunternehmen mit Sitz in Parma - welche durch Nachhaltigkeit und Liebe zum Detail bestechen.
Beim Styling setzen wir auf die kleine aber feine Range von Balmain. Balmain hat ein kompaktes Sortiment welche alle Styling Bedürfnisse erfüllt und sie riechen einfach unfassbar gut – unsere Kunden sind süchtig danach.

Was sind deine Top 6 Beauty & Hair Produkte?

1. Kahina Giving Beauty Arganöl – Allrounder für Face, Body, Hair.

2. Nouroushing Shampoo & Conditioner von Davines – ohne das geht nix bei meinem Haar.

3. Oi Oil von Davines - macht das Haar geschmeidig, glänzend und riecht schlimm lecker.

4. Make Up For Ever- Aqua Brow dark brown – für eine ausdrucksstarke Augenbraue.

5. MAC Retro Matte Lipstick "intense Fire Truck Red“ – neueste Errungenschaft.

6. Love Gang- der Duft von Kim Weisswange - Suchtfaktor.

Was sind deine Inspirationen?
Am meisten inspirieren mich die Menschen mit denen ich zusammen arbeite. Durch die Vielfalt meiner Tätigkeit sehe ich stets neue Herangehensweisen an Formen, die mich im Salonalltag beeinflussen.
Auch Kunden sind mit Ihren Wünschen oft eine Inspiration - besonders wenn sie mich mit diesen herausfordern.  An sich muss man nur mit offenen Augen durch die Straßen gehen. Oft findet man hier die die meiste Inspiration durch Leute die sehr eigene Stile vertreten. Bestes Beispiel ist der Barkeeper in meiner Lieblingsbar, der einen Look wie aus einem 70er Jahre Pornofilm mit einer solchen Selbstverständlichkeit trägt, dass man nicht umhin kommt ihn die ganze Zeit anzustarren. Solche Situationen lösen im Kopf einen Domino Effekt für den Salon Alltag aus. I like ;-)

Was hast du immer in deiner Handtasche dabei?
Handy, Portomonaie , Schlüssel ( die ich ständig suche), meine Kosmetiktasche (siehe oben), Lesebrille, Sonnenbrille und sonst eine Ansammlung oft unnützer Dinge, die in großen Abständen aussortiert werden.

Was war dein bester Kauf 2016 bis jetzt?
Die Leather Flatforms von &other Stories

Was steht ganz oben auf deiner Wishlist?
Dass der ganze Scheiß da draußen aufhört, die Leute endlich zur Besinnung kommen und in Frieden miteinander leben.

Jana, ich danke dir für deine Zeit und deine tollen Antworten. Und für meine neuen Haare!  
- to be continued -

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